Auf der anderen Seite so viel Schönes und Aufregendes - die Unbegreiflichkeit der wachsenden Zweisamkeit.
Langsam weichen Fassungs- und Sprachlosigkeit.
Der Bruder der kleinen Katze machte es kurz. Eineinhalb Wochen ließ er uns Zeit mit dem Abschied, dann brach er zusammen und es gab nichts weiter zu tun als auch ihn gehen zu lassen.

Unser zeitlebens junge Katze gebliebener Kater, der immer in der Nähe der Bettdecke war, wenn man mal krank auf dem Sofa lag, und schnurrend die zusätzliche Wärme genoss. Dieses viele Worte sprechende Tier, das am liebsten in der Badewanne aus dem tropfenden Wasserhahn trank und nachhaltig auf sich aufmerksam zu machen wusste, wenn es aber nun wirklich Zeit für das tägliche Futter war.

Zwei Wochen ist seine Abwesenheit nun alt und seine friedliche Anmutung als er schon nicht mehr auf dieser Welt war, hallt immer noch nach.

Leb auch Du wohl schwarzes Katerchen. Du fehlst.

So viele Abschiede in diesem Jahr.

Die Krankheit kam auf leisen Pfoten. Langsam doch zielstrebig schlich sie sich in den Körper der zarten Katze und fraß sie unerkannt von innen auf bis nichts mehr zu tun war als sie von ihrem Leiden zu erlösen.

Unendlich schwer, sie gehen zu lassen. Unendlich traurig zu spüren wie sie diese Welt verließ - so still.

Dieses geliebte Fellbündel, was voller Genuss sich zu rekeln und laut zu schnurren begann, sobald man die Hand in Richtung Bauch schob. Das mehr als zehn Jahre lang warme Heizungen liebte, zufrieden darauf schnarchte und im Schlaf lächelte bis es durchgewärmt sich ein kühleres Plätzchen suchte. Das kleine mauzende Kätzchen, das sich zu einer prächtigen, feinsinnigen Katzendame entwickelte und uns mit ihrer Anwesenheit Tag um Tag beglückte. Die große immer hungrige Katze, die uns mit einem ganz eigenen Mauzlaut zur Fütterung begrüßte, die nicht müde wurde mit Papierkügelchen Volleyball zu spielen und mit Leichtigkeit Türen öffnete.

Jetzt ist sie gegangen und der November wird noch eine Nuance grauer.

Leb wohl kleine Katze. Die Leerstelle ist groß.

Vier Jahre und ein neu begonnener Tag.

Von der plötzlichen Unfähigkeit zu arbeiten.
Vom Sich-Zeit-nehmen, weil es nicht anders geht.
Von Formalien und vom Zu-sich-kommen.
Von der Erarbeitung des Muts, sich nicht mehr der belastenden Situation auszusetzen trotz schlechten Gewissens.
Vom befreienden Gefühl, dass die Zeit genau richtig schnell vergeht anstatt dahinzurasen.
Vom erfolgreichen Scheitern.

Ein halbes Jahr, das gut in zwei dicke Bücher passen würde, beschriebe ich alle Details. Ein drittes erfasste meinen Lernzuwachs im Umgang mit Situationen, mit Menschen, mit mir selbst.

Stillstand.

Die Situation erinnert mich an die Tarotkarte "Der Gehängte".
Jede Bewegung tut weh, alles ist auf den Kopf gestellt.
Und doch ist da die Möglichkeit, verharrend, die Dinge in neuer Perspektive zu betrachten, zu hinterfragen.

Für einen Moment nichts tun im Trubel um mich herum als nachzudenken, warum es ist wie es ist.

Stillhalten, Zeit vergehen lassen und die Erschöpfung aushalten.

Und dann geht plötzlich nichts mehr.

Herausgefallen aus allem. Eigenartig still ist es.
Um mich herum geht das Gewirbel weiter und ich stehe distanziert.

Wenn man mitten drinsteckt und sich alles relativ zueinander bewegt, eckt man nicht an. Auch nicht bei dieser irren Geschwindigkeit. Wahnsinn.
Streckte ich die Hand immer wieder aus nach dem, was mein Alltag sein sollte, wurde ich hinfortgerissen. Einzig mein Wirbeln passte nicht mehr zu dem der anderen. Anecken war die Folge, Stolpern und Frust bis ich wieder fiel, bis ich ganz herausgefallen bin. Es war eine Frage der Zeit.

Da stehe ich jetzt, betrachte das Treiben aus sicherer Entfernung.

Außer Atem hole ich langsam Luft.

Mit dem Frühling kommen die farbigen Lebensdetails zurück. Wie schön es ist, Krokussen und Schneeglöckchen auf grünendem Gras zu begegnen, Vögel zwischen Zweigen voller Knospen zwitschern zu hören und die Sonne später im Feuerrot gehen zu sehen.

Seit ich um meine erweiterte Wahrnehmung weiß, sind Monate vergangen. Monate der intensiven Auseinandersetzung. Tage der Erleichterung und Momente der rückblickenden Erkenntnis. Zeit, zu genießen, bleibt wenig. Vielmehr wird die Energie aufgefressen von den alltäglichen Erfordernissen, bloß nicht zu sensibel zu sein. Vieles ist in Fluss geraten.
Und immer bleibt die Frage, was das Herz sagt.
Wenn nur der Zugang dazu endlich freizubrechen wäre.

Was ist das nur für ein Schulsystem, in dem die Lehrkräfte lieber Ferien haben als zu unterrichten.

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